Warum scheitern so viele?

Franchise gilt als sicherer als klassische Existenzgründung – und das stimmt, wenn man die richtigen Schlüsse zieht. Die meisten Franchise-Insolvenzen entstehen nicht wegen schlechter Systeme, sondern wegen schlechter Entscheidungen davor. Hier sind die fünf häufigsten.

Fehler 1: Den Zahlen des Franchisegebers vertrauen

Hochglanzpräsentationen zeigen Umsatzbeispiele erfolgreicher Partner. Was sie nicht zeigen: Wie viele Partner ähnliche Ergebnisse erzielt haben, wie hoch die Fluktuation im Netzwerk ist, und ob die Zahlen vor oder nach Franchisegebühren dargestellt werden.

Was du tun solltest: Bestehende Franchisenehmer direkt anrufen – nicht die vom Franchisegeber empfohlenen Vorzeigebetriebe, sondern möglichst viele aus der aktuellen Partnerliste. Frage konkret nach monatlichem Gewinn nach allen Kosten.

Fehler 2: Die Startinvestition zu niedrig ansetzen

In jedem Gespräch mit potenziellen Franchisenehmern taucht dieses Muster auf: Die genannte Einstiegsinvestition liegt bei 50.000 Euro, am Ende werden 90.000 Euro benötigt. Die Differenz kommt von Umbaukosten, Reserven für die Anlaufphase, unterschätzten Betriebskosten.

Was du tun solltest: Nimm die kommunizierte Investitionssumme und addiere 30–50 Prozent als Puffer. Wenn das dein Budget sprengt, ist das ein relevantes Signal.

Fehler 3: Den Vertrag nicht anwaltlich prüfen lassen

Franchiseverträge sind Werk des Franchisegebers. Sie sind auf dessen Interessen ausgelegt, nicht auf deine. Klauseln zu Gebietsschutz, Exit-Optionen, Vertragsverlängerung und Wettbewerbsverboten können über Jahre bindend sein – und werden im Erstgespräch selten explizit erklärt.

Was du tun solltest: Lass jeden Franchisevertrag vor Unterzeichnung von einem Fachanwalt für Franchiserecht prüfen. Die Kosten dafür sind gering im Vergleich zu dem, was eine ungünstige Klausel kosten kann.

Fehler 4: Zu wenig Zeit in die Systemprüfung investieren

Viele Interessenten sehen ein Franchise-Angebot, sind begeistert und unterschreiben innerhalb von Wochen. Der Franchisegeber hat kein Interesse daran, diese Dynamik zu bremsen. Du solltest es trotzdem tun.

Eine gründliche Systemprüfung dauert Monate. Sie umfasst Gespräche mit Partnern, die Analyse der VVA, eine realistische Businessplan-Erstellung und die Prüfung des Vertrags. Wer diese Zeit nicht aufwenden will oder kann, hat ein grundsätzliches Problem mit der Entscheidung.

Fehler 5: Sich selbst zu optimistisch einschätzen

Franchise-Gründungen scheitern auch an der Person hinter dem Konzept. Nicht jeder ist für das Modell geeignet. Es braucht die Bereitschaft, nach klaren Vorgaben zu arbeiten, in einem definierten Rahmen zu operieren und trotzdem unternehmerisch zu handeln.

Wer Individualismus und völlige Freiheit sucht, wird mit Franchise nicht glücklich werden – unabhängig davon, wie gut das System ist.

Einordnung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information über typische Fehlerquellen. Er ersetzt keine individuelle Beratung, keine Rechtsberatung und keine Finanzplanung. Die beschriebenen Muster sind erfahrungsbasiert und können je nach System und Situation unterschiedlich relevant sein.

← Zurück zur Übersicht